(Hello.) (Is it me you’re looking for.) Hydra spricht.

Vorschlag einer Form: Jeder kann dann einfach – wo auch immer – Punkte hinzufügen, Beobachtungen einfügen, so, dass das ein offenes Manifest wird, Collage, Thesen, die man wo anschlagen kann. We will talk it over. Or: Someone, please take over.*

Hydra sagt, erstens: Die Hydra spricht mit mehr als einem Kopf, mit mehr als einer Zunge.

Hydra sagt, zweitens: Der groß angelegte Versuch, ambivalenzfrei zu werden, ist gescheitert, liebes rechtes Pack. rotfl!

Hydra sagt, drittens: The following video has language that might offend some viewers.

Hydra sagt, viertens: Es heißt, Nazis tragen heute keine Springerstiefel mehr, es heißt, sie seien auch nicht mehr antisemitisch, ja, man hört sogar, sie verstehen sich nicht als Rassisten, sondern als aufgeklärte rechte Mitte, die eigentlich ja, laut Selbstauskunft und bei genauerer Betrachtung, links der Mitte anzusiedeln sei, die eigentlich ja, laut Selbstauskunft, den Rassismus auch nicht als Problem, sondern als Weltsicht sehe, die wegen des Rechts auf freie Meinung auch auszuhalten sei, und eigentlich, laut Selbstauskunft, verstehe sie auch Hierarchien zwischen Rassen und Geschlechtern als schlicht natürlich geschaffene, und das wird man ja wohl noch sagen dürfen, dass die Natur dran schuld ist und sonst niemand.

Hydra sagt, fünftens: Letztens im Gespräch mit einer Dramaturgin, dem Autor wurde mitgeteilt, sein Konzept sei interessant, allerdings hätte man auch Menschen im Publikum, die der AfD, ja, der FPÖ nahestünden, bisweilen sich als Stammwähler bezeichnen, auch mit denen müsse man arbeiten, das Konzept des Autors sei also unter Umständen noch einmal zu überdenken, man wolle niemanden verschrecken. “Das Abo”, sagte die Dramaturgin und faltete die Hände vor ihrem Gesicht zusammen.

(Hydra denkt insgeheim: FALTE DEINE HÄNDE DOCH WENIGSTENS IM SCHOSS!)

Hydra sagt, sechstens, Sreten Ugričić sagt: Worte sind nicht Worte.

Hydra sagt, siebtens: Wir sprechen mit vielen Köpfen, aber indem wir WIR aussprechen, wissen wir nicht mehr, was davon zu halten ist. Wie konnte dieses WIR wieder so toxisch werden? WIRR müssen sagen, was sonst NIEEEMAND sagt.

Hydra sagt, achtens: BIST DU LESBISCH? Ja. Und stolz drauf.

Hydra sagt, neuntens: Sreten Ugričić sagt, die Worte schweigen. Die Worte sehen und wissen. Die Worte glauben niemandem. Die Worte leben in Verzweiflung, ohne Trost. Jedes Wort ist wichtig. Jedes Wort wächst wie ein Kind heran und lernt. Manche Worte lernen es, manche nicht. Worte sind nicht Worte. Die Worte schweigen. Die Worte überschreiten nicht die Grenzen der Worte. Die Worte sind unmöglich. Die Worte haben keine Stütze und halten uns dennoch fest in der Falle gefangen. Die Worte sind aus der Mode gekommen. Aber wir dürfen uns nicht täuschen. Ohne Worte gäbe es keine Zeit. Ohne Worte gäbe es keine Revolution. Ohne Worte ist es leicht. Die Worte schweigen. Worte sind nicht Worte. Das sind keine Worte.

(Hydra räuspert sich und unterbricht: Will Australien tatsächlich ein Gesetz beschließen, dass jeder Person, die je als Flüchtling Australien betreten wollte und nicht konnte, verbietet, JEMALS WIEDER – auch nicht als Tourist*in, auch nicht geschäftlich – australischen Boden zu betreten?)

Hydra sagt, zehntens: Vilém Flusser sagt, wir Migranten sind die Fenster, durch die die Einheimischen die Welt sehen können.

Hydra sagt, elftens: BIST DU SCHWUL? Ja. Und ich will die Ehe.

Hydra sagt, zwölftens: Das Problem ist nicht, dass es Demagogen gibt, das Problem ist, dass es Ungebildete gibt.

Hydra streicht durch und schreibt, zwölftens: Das Problem ist nicht, dass es Ungebildete gibt, das Problem ist, dass es Demagogen gibt.

Hydra sagt, dreizehntens: BIST DU N FLÜCHTLING? Ja. Und ich bleibe. ES!

Hydra sagt, vierzehntens: Sreten Ugričić sagt, die Worte sind unmöglich.

Hydra sagt, fünfzehntens, Schlagzeilen in dieser Stunde: TV-Duell der Kandidaten! Rechter Terror! Leben auf dem Mars!

Hydra sagt, sechzehntens: An einem Haus wird der Autorin erklärt, ihr Text, eine umfangreiche Materialsammlung über den NSU, werde jetzt auf Figuren heruntergestrichen, die auch wirkliche Probleme hätten, nicht so die Materialsammlung, die habe keine Probleme, zumindest keine, die die Dramaturgin und ihr Team, eine Schauspielerin und ein Regisseur, die beide an acht (!) Projekten gleichzeitig arbeiten, durchschaut hätten, und nein, die Dramaturgin akzeptiere die umfangreiche Recherche der Autorin, aber sie hätte halt auch nicht recherchiert, wie große Teile des Publikums, und sie kenne sich also mit dem Thema nicht aus, sich mit dem NSU auseinanderzusetzen halte sie dennoch für wichtig, deshalb sei ja die Hälfte des Textes noch vorhanden – die werde jetzt als Familienaufstellung behauptet, Chöre hin oder her.

(Hydra unterbricht: Reclaim your TextMonster!)

Hydra sagt, siebzehntens: Materialfluten bitte, oder: Warum kann ich nicht meine Recherche sein, damit dann etwas aufbricht, oder durch die zumindest etwas einbricht, nein, wird der Autorin erklärt, zumindest die Autorin müsse ja selbst eine Figur, eine Figur hinter dem Text, damit sich der Betrieb, wenn schon nicht am Text, dann an was festhalten kann, das dann jeder und vielleicht auch jede, aber nicht jede*r versteht.

Hydra sagt, achtzehntens: Was hat die Aushöhlung des Materials mit dem Aufbrechen des rechten Rands zu tun, und warum sprechen wir nicht darüber?

Hydra sagt, neunzehntens: Was hat die Aushöhlung des Bildungssystems mit dem Aufbrechen des rechten Rands zu tun, und warum sprechen wir nicht darüber? Was hat die Aushöhlung der Subkulturen (der politisch links geprägten Subkulturen, nicht Wehrsportgruppen etc.) mit dem Aufbrechen des rechten Rands zu tun, und warum sprechen nicht mal die Subkulturen darüber? Was hat die Aushöhlung des Intellekts und des Intellektuellen mit dem Aufbrechen des rechten Rands zu tun, und warum sprechen wir nicht endlich von DER Intellektuellen, nicht: DEM?

(Hydra sinnt noch nach: Und warum sprechen nicht mal die Subkulturen darüber?)

Hydra sagt, zwanzigstens: Letztens in einer Kneipe mit einem Kollegen, der meinte, es mache keinen Sinn, rechte Gesinnungen automatisch ins Nazieck zu stellen, die seien doch längst nicht mehr antisemitisch, das sei ja wohl ein wichtiger Punkt: Die NAZIS sind doch alles keine NAZIS.

Hydra sagt, einundzwanzigstens: Die Verlage ächzen unter dem Markt, es heißt, die gesamte deutsche Verlagslandschaft zusammen hat den gleichen Jahresumsatz wie Aldi Süd. Da ist natürlich verständlich, dass man auf Bestseller, auf Hypes, auf Figuren setzt, mit denen man sich schnell identifizieren kann.

Hydra sagt, zweiundzwanzigstens: Die Identitären wollen einfache Identifikationsangebote liefern, laut Selbstaussage.

Hydra sagt, dreiundzwanzigstens: If it walks like a duck, and it swims like a duck, and it quacks like a duck, I call that bird a duck.

Hydra sagt, vierundzwanzigstens: Vor kurzem, im Krimi eines renommierten Verlagshauses, in dem zwei muskulöse Männer eine sex- und shoppingsüchtige Frau aus den Händen eines bösen Drogenkartells retten müssen: Die weibliche Figur “will den Prügel tief in sich spüren, nur dann spürt sie sich selbst wieder.” Eine renommierte Kritikerin war von dem gut recherchierten Einblick in die Abgründe des südamerikanischen Drogenwahnsinns “sehr angetan”.

Hydra sagt, fünfundzwanzigstens: Auf dem Nachhauseweg über den Anarchokapitalismus und meine Kindheit nachgedacht. Und ganz schnell abgeschweift – ich habe plötzlich festgestellt, dass jetzt der Herbst einfach so übers Land hereingebrochen ist, wie er das sonst ja normalerweise nicht tut, der Herbst ist dieses Jahr wie ein Schock über mich hereingebrochen, denke ich im Laufen, die Blätter liegen geradezu schockiert am Boden, die Bäume starren stocksteif gefroren die Straße hinab, die Krähen fliegen stocksteif über einen vor Schreck erstarrten Himmel.

Hydra sagt, sechsundzwanzigstens: Insert hasspostings here.

Hydra sagt, siebenundzwanzigstens: They were talking about: a Hydracultural society.

Hydra sagt, achtundzwanzigstens: TROJA – In dem Maße, in dem sich der Literaturbetrieb der Literaturbetriebswirtschaft verschrieb, seine Tore dem Markte öffnete, nahm er die Vereinfachung des Denkens in Kauf. GEKAUFT! Nein. VERKAUFT! Hauptsache, der Kaufmann in mir hat seine Ruhe, der Kaufmann in mir gehört zu den oberen Zehntausend, den oberen Fünfhundert sogar, und die würde es nicht mal stören, wenn das Militär die Regierung übernähme. Der Kaufmann in mir als Pferd und in ihm versteckt das andere, die Verhohlung, Aushöhlung, Assholung.

Hydra sagt, neunundzwanzigstens: Was auch immer jetzt passiert, das ist nicht der Blitz, das ist der Donner, geblitzt hat es schon längst, wir erwarten jetzt nur mehr noch den Donner.

Hydra sagt, dreißigstens: BIST DU BEHINDERT? Ja. Und ich lebe trotzdem.

Hydra sagt, einunddreißigstens: Slavs and Tatars marschieren vorbei und singen: You say Autonomie / I say Autonomia / You say Integrierung / and I say Integrazione / Autonomie, Autonomia / Integrierung, Integrazione! / Let’s call the whole thing off! / So if you like Einwanderer / And I like Immigrante / I’ll be Pro-Einwanderer / and be Anti-Immigrante / For we know we need each other / so we better call the calling off, off!

Hydra sagt, zweiunddreißigstens: They were talking about: the role of literature in the right-wing movement.

Hydra sagt, dreiunddreißigstens: Insert hasspostings here.

Hydra sagt, vierunddreißigstens: Die Literatur, weniger die Texte selber als ihre Vermarktung durch die Verlage, durch die Vermarktung aber dann doch wiederum auch die Texte selber – jene, die entstehen, und jene, die entstanden, nur um durch das scharfe Auge des Lektors aka Marketeer verändert zu werden, eingedampft, ausgehöhlt, abgeflacht, abgespeckt –, diese Literatur also, die sich mit Blutleere brüstete und mit Herzlosigkeit herausputzte, um super verkauft zu werden, diese Literatur hat mit dem Rechtsruck erstmal nichts zu tun. Ah, Augenblickchen, mit welchem Rechtsruck nicht? Der Neoliberalismus als Rechtsruck. UND: Der Rechtspopulismus als Rechtsruck. Aber Kindchen, das Wort: Rechtsruck durftest du doch nicht sagen, nicht hier, bei RUCKZUCK!

(Hydra schaut sich schnell alle RUCKZUCK-Sendungen mit Werner Schulze-Erdel an, dann redet sie weiter.)

Hydra sagt, fünfunddreißigstens: Der Produzent sagt, der Sender möchte etwas Identitätsstiftendes, eine Art große Geschichte, generationenübergreifend, das Theater würde das auch gutheißen, etwas, in dem unsere Familien sich wieder drin entdecken. Es sei ja, so die Aussage der Sendeleiterin, alles so zerrissen heutzutage, sie, die Sendeleiterin sehne sich nach der einfachen Welt, die will sie dem Publikum zeigen, zumindest an einem Abend.

Hydra sagt, sechunddreißigstens, Alain Badiou sagt: “Ich bin rechts” ist niemals die Aussage der Rechten, die verneint, dass diese Aussage einen Sinn hätte. Es ist allein die Aussage der extremen Rechten, insofern gehört sie auch nicht richtig dazu. Aber, leider, gehört sie in die Zeit.

Hydra sagt, siebenunddreißigstens: Im Fernsehen nichts Neues, zwischen Danone und Bürgerkriegen, wo verläuft da eigentlich die Grenze zwischen Rihanna, Trump und Nestlé?

Hydra sagt, achtunddreißigstens: Das Interesse der avantgardistischen Literatur an der gesprochenen Sprache. Aber wenn die bürgerlichen, akademischen Neonazis die gesprochene Sprache sprechen und sprechen und sprechen und sprechen, was soll das dann noch? Dachte ich und dachte nach, und nach und nach ging mir auf, wie wenig mir die gesprochene Sprache seit jeher am Herzen lag. Wieso sollte die Sprache nicht selbst sprechen? Huh? Also: sprechende Sprache!

Hydra sagt, neununddreißigstens: Im Fernsehen nichts Neues, ich habe jetzt, nach dieser heteronormativen Werbepause endlich das Gefühl, wenn wir heiraten, möchte ich Vanillepudding von deinem Löffel im Paradiesgarten lutschen.

Hydra sagt, vierzigstens: Insert troll postings here.

Hydra sagt, einundvierzigstens: Das Problem sei doch, habe er lautstark deklariert, dass man heute die Nazis nicht mehr von den bloßen Demagogen trennen könne. Trump ist kein Nazi, hat er geschrien, der ist scheiße, Strache ist ein Nazi, aber der will das Dritte Reich auch nicht zurück. Und einen Krieg schon gar nicht. Kannst du dir vorstellen, hat er lautstark geschrien, wie peinlich das wäre, wenn Österreich plötzlich Frankreich angreifen würde. Mit welchen Waffen? Oder gar Polen? Oder Russland. Hat Österreich überhaupt eine Luftwaffe? Trump ist gefährlich, aber kein Nazi. Strache ist ein Nazi, aber nicht gefährlich. Dieser kleine, feine Unterschied ist gefährlich, verstehst du?

Hydra sagt, zweiundvierzigstens: Martin Sellner schaut andauernd so schwiegermuttergeil drein, und der tut das, glaubt sie, auch wirklich deshalb, weil er sich so “fühlt” und “gefühlt werden will”.

Hydra sagt, dreiundvierzigstens: They were talking about: poetry as a form of resistance.

Hydra sagt, vierundvierzigstens: If you ain’t got nothin’, you got nothin’ to lose.

Hydra sagt, fünfundvierzigstens: Der Kaufmann in mir als Pferd und in ihm versteckt das andere, die Verhohlung, Aushöhlung, Assholung.

Hydra sagt, sechsundvierzigstens: Ich meine, hat er laut und schallend gelacht, Strache, der in Österreich seinen Hitlerträumereien nachgeht. Mit seinem Hund, unter Tränen lachend, mit seinem Hund, Odi! Eine italienische Dogge namens Odi!, prustete er.

Hydra sagt, siebenundvierzigstens: If it walks like a duck, oh, fuck the duck.

Hydra sagt, achtundvierzigstens: Je länger ich nachmittags alleine zuhause sitze, desto mehr spüre ich eine tiefe Angst in mir aufsteigen, dass plötzlich jemand in meine Wohnung tritt, den ich nicht kenne, ich höre zum Teil schon den Boden knarren. Es heißt, der Rückgang von Gespenstersichtungen sei mit dem Aufstieg der Massenmedien verbunden.

Hydra sagt, neunundvierzigstens: Claude Lefort sagt: Jede Revolution trägt das Eigenartige und das Paradoxe in sich, dass sie die Leidenschaften derart mobilisiert, dass manche – welchem Lager auch immer sie zugehören mögen – den Sinn für die Unterscheidung zwischen Realem und Imaginärem, Möglichem und Unmöglichem verlieren, und dass sie unter denen, die bis dahin nicht an ihren Vorrechten zweifelten, besonders aber unter denen, die daran gewöhnt waren, sich zu unterwerfen und zu schweigen, den Willen befreit, sich zu behaupten und Wahrheit von Lüge zu trennen.

Hydra sagt, fünfzigstens: Neulich besuchte ich eine zwölf Stunden dauernde Performance einer Formation, die mit Menschen unterschiedlicher Fähigkeiten arbeitet, unterschiedlicher Fähigkeiten und Abilities, und diese Gruppe aus sechs völlig unterschiedlichen Abilities performte da nun, in einem Raum mit lilafarbenem Teppich, Blumen waren an Säulen gebunden, und sie standen erstmal nur rum, während ein Pianist das Piano zum Klingen brachte, und dann begannen sie, nach vielleicht zehn/fünfzehn Minuten, sich zu bewegen, und auf einmal bewegten sie sich immer öfter und weitläufiger auf dem lilafarbenen Teppich, nur einer von ihnen, ein Performer mit Trisomie 21, bewegte sich etwas träger, dachte ich, doch nach einer Stunde begann ich zu begreifen, dass in dieser Performance, in der die Performer den Prozess eines Hypes nachspielten, dieser eine unter ihnen eben der Nicht-Hype war, das Auge des Sturms, die Normalität, und nach elf Stunden, auf einmal, ging ihm das verloren, er machte doch viel mehr an Bewegung, die die anderen machten, mit, auf einmal konnte er das, im Kontrollverlust, im absoluten Kontrollverlust, wie eine der Regisseurinnen sagte, und doch blieb er für mich die Normalität, die allem Hype entgegensteht, und nach dem Ende der Performance, als alle begannen, ihre Performancekleider gegen ihre Alltagskleider auszutauschen, auch der Pianist, setzte sich das Auge des Sturms auf einmal ans Klavier und begann zu spielen, er spielte Beethoven, Ode an die Freude, und da kamen mir dann die Tränen. WIESO SOLLTE ICH DIESEN TRÄNEN NICHT VERTRAUEN?

Hydra sagt, einundfünfzigstens: Vertrauen sie nie den Tränen, die jemand weint.

Hydra sagt, zweiundfünfzigstens: Vor Jahren, im Gespräch mit einem schwulen Intendanten, seine Frage, warum um alles in der Welt nun da Schwule auftauchen müssten, in diesem Text?

Hydra sagt, dreiundfünfzigstens: Insert candystorm here.

Hydra sagt, vierundfünfzigstens: Neulich, im Gespräch mit einer Regisseurin, ihre Frage, warum um alles in der Welt denn da nun Frauen auftauchen müssten, in diesem Text?

Hydra sagt, fünfundfünzigstens: Gestern, im Gespräch mit dem THEATER, diese Frage, warum um alles in der Welt denn da nun Nazis auftauchen müssten, die wie Frauen aussähen, in diesem Text?

Hydra sagt, sechsundfünfzigstens: Insert Grenzbereich here.

Hydra sagt: Das Wort kann man vorwärts und rückwärts wie ein interessantes Sexarrangement.

Hydra sagt: (ausgezählt.) Du bist raus.

Hydra sagt: Terror ist Terror und Amok ist Amok und Panik ist Panik und Albträume sind Albträume und Phobien sind Phobien und Lügen sind Lügen und so weiter.

Hydra sagt: Reden wir über Terror, wenn es Terror ist. Und reden wir jetzt. Wir sollten in die Tasten hauen! Für mehr Tastenanschläge gegen den Terror!

Hydra sagt: Reden wir über Kriege, die tatsächlich da sind, um zu verstehen, warum sie da sind, und bereden wir keine Kriege, die da gar nicht sind, die durch das Reden erst entstehen. Gegen sprachliche Aufrüstung! Für eine entwaffnende Sprache!

Hydra sagt: Reden wir über Grenzen, um den Rechten die Grenzen nicht zu überlassen.

Hydra sagt: Grenzen sind historische Bruchlinien. Sichtbarmachungen kriegerischer Auseinandersetzungen. Konsequenzen territorialer Kämpfe. Sie sind nicht gewachsen. Sie sind gemacht worden. Sie sind veränderbar. Wie viel Veränderung verträgst du?

Hydra sagt: Reden wir über Sicherheit, um auch hier die Deutung des Begriffs zu schärfen, um privates Bedürfnis vom gesellschaftlichen Auftrag zu unterscheiden, um Möglichkeit und Tatsächlichkeit zu überprüfen. Ist Sicherheit immer ein Korsett? Ist das Unsichere nur dann bedrohlich, wenn die Auffangnetze nicht mehr sichtbar sind? Wie müssen die Netze der Gegenwart gewebt sein? Von wo bis wo spannen sie sich? Und wer spannt sie?

Hydra sagt: Reden wir über Heimat, um den Rechten die Heimat nicht zu überlassen.

Hydra sagt: Heimat sind Viele. Heimat ist gesellschaftliche Verwebung. Heimat ist das Ineinanderlaufen von Biografien, Verschwimmen von Begegnungen, Vernetzung von Aussagen. Ist die Konfrontation mit dem Fremden im Eigenen. Ist Ablegen von Begrenztheit, Annahme des Anderen. Ort der Öffnung und also Intimität. Moment auch der Verletzbarkeit, Ekstase radikaler Vereinigung. Flirt, im besten Fall, und Wagnis. Halt und Schwindel, ein Akt der Balance, Sprung ins Ungewisse. Gemeinsamer Flug über vermeintliche Verankerungen, Gefängnisse hinweg. Das Anschnallen, wenn alles bebt. Mach doch auch mal auf! Wach doch auch mal auf! Der Blick hinunter, auf Länder, deren Grenzen dann lächerlich erscheinen, im Zusammenhang. Das Fortgehen und Wiederkehren. Welt in ihrer unerwartbarsten Dimension. UND SO WEITER!

Hydra sagt: Reden wir über Hass und auch über Wut und über Angst, um das Feld des Emotionalen nicht zu räumen. Die Negation des Gefühls hilft wenig gegen die Anwesenheit des Gefühls. Auch der Satz: “Ich habe Angst vor den Rechten!“ ist Teil des Problems. Auch der Satz: “Ich hasse Neo-Nazis!“ schafft aufgeheizte Stimmungen. Gibt es einen produktiven Hass? Gibt es eine Wut, die weiterhilft? Gibt es Ängste, die wichtig sind, um woanders hin zu kommen? Können andere Gründe genannt werden, für dieselben Gefühle? Werden die Gefühle damit verständlicher? Reden wir über die komplexe, emotionale Lage. Vereinfachung hilft wenig.

Hydra sagt: Verlieren wir nicht den Humor. Und wer noch nie einen hatte, sollte sich jetzt einen zulegen. Denn im Lachen wird das eigene Scheitern angesichts einer komplexen Wirklichkeit in Lust, Schweiß und Tränen überführt, nicht in blanken Hass. Ich finde, den Rechten fehlt der Humor!

(Hydra ist abgelenkt und denkt immer noch an Martin Sellners schwiegermuttergeiles Lächeln.)

Hydra sagt: Das Lachen in Zeiten des Terrors ist kein anderes, wie in den Zeiten davor, denn es gab keine Zeiten davor. Es gab immer eine Gewalt, und es gab das Lachen. Jetzt lachen wir und sehen vielleicht genauer hin. Das Lachen vollzieht sich nun parallel zum Schock, zur Trauer, zur Wut, zur Unvereinbarkeit der Gefühle, die dennoch da sind. Es ist nun, angesichts der Brutalität vor der Haustüre, in Frage gestellt, das Lachen. Das ist kein Grund, damit aufzuhören. Es macht die Anwesenheit des Lächerlichen, Absurden, Grotesken, Bizarren, Morbiden und Fatalistischen erst wieder bewusst.

Hydra sagt: Die Unterscheidung zwischen Kriegsflüchtlingen und Arbeitsmigration operiert mit dem Wert des Leidens, nicht des Geldes. Jene, die mehr erlitten haben, erhalten mehr Rechte. Historisch aber hängen Kriege, Kapital, Arbeit und Migration tiefgreifend zusammen. Gegen die Vereinnahmung des Leidens! Für eine Offenlegung der Ausbeutungszusammenhänge.

Hydra sagt: Es ist nicht an der Zeit, dass alle nun Sozialarbeit machen. Es ist an der Zeit, dass alle, in jeder Berufsgruppe, über das Soziale und die Arbeit neu zu denken beginnen, die neuen Aufgaben mit den eigenen abgleichen, die Ressourcen neu verteilen und auch das Geld. Der Wert der Sozialarbeit ist am Steigen. Das stellt endlich auch andere Werte schärfer in Frage.

Hydra sagt: Stadt und Land sind Begriffe, die wieder neu gegeneinander ausgespielt werden, sodass Stadt und Land sich politisch voneinander entfernen, wenn sie auch ökonomisch, ökologisch und biografisch enger zusammenwachsen. Denn wie viel Stadt bist du? Und wie viel Land? Und wieviel bist du dazwischen? Wir sollten über die Übergänge reden, über Mobilität und Flexibilität, über Synchronisierung und Virtualität, über Flüchtigkeit von Ort und Zeit, über Transformation und Verflüssigung, über das, was das Zentrum so machen würde, ohne Ränder und ob die Ränder denn das Zentrum vermissen würden ... Reden wir über eine Politik der Topografie!

(Hydra selbst sagt immer, sie sei aus der Großstadt, dabei kommt sie aus einem Dorf in der Nähe, der weiteren Nähe einer Großstadt.)

Hydra sagt: Verallgemeinerungen sind nicht hilfreich.

Hydra sagt auch: Alles im Detail zu bereden, sprengt die Kapazitäten.

Hydra sagt also auch: Sprengt die Kapazitäten!

(Hydra flüstert: Wenn dann alles gesprengt ist, im Denken, versucht mal das Vereinzelte im Allgemeinen neu zu verorten. Kann ein kritisches Allgemeines entstehen?)

Hydra sagt: Ich hab's satt, über jeden Rechtsnationalen einzeln reden zu müssen. Sie reden ja auch nicht einzeln über mich. Ab nun nenne ich sie alle einfach und vereinfacht DIE RECHTEN.

Hydra sagt: Wenn die Rechten über ein WIR reden, können wir, die Hydra, auch über SIE reden, DIE RECHTEN.

Hydra sagt: I can be googled, therefore I am.

Hydra sagt: Ich bin das Gleichnis für Situationen, wo jeder Versuch einer Eindämmung oder Unterdrückung nur zur Ausweitung einer Eskalation führt. Die Hydra steht also für das, was man nur kleinhalten kann, indem man es unberührt lässt.

Hydra sagt: So, wie manche Monster keine eindeutige Identität besitzen, so schmal/breit/verschwommen/durchlässig/vorhanden/gelogen/behauptet ist auch die Grenze zwischen Mensch und Monster.

Hydra sagt: Das Medium massiert das Monster und das Monster das Medium.

Hydra sagt: Quod erat deMonsterandum.

Hydra sagt: Ich bin die Abweichung, das Andere, das Fremde, ich stehe zu Ihrer Verfügung. Ich melde mich freiwillig als Monstrum, in mir, wie in Wort und Bedeutung, verschmilzt das Wunderbare, Fabelhafte, Faszinierende mit dem schreckenerregenden Omen.

Hydra sagt: Buchstabiere Sehnsucht.

(Hydra liest aus der Zeitung Österreich vor: Die neue Frau von H.C. Strache nennt ihren Hund Odi Monster.)

Hydra sagt: Die Sehnsucht kommt aus der Mitte, aus dem Bauch/Gefühl, Sehnsucht nach: Zusammengehörigkeit, Zugehörigkeit, die Hoffnung auf und das Streben nach persönlichem Glück, einer Gruppe oder einem größeren Ganzen anzugehören versus der existenziellen Erfahrung des Nichtdazugehörens.

(Hydra liest aus der Zeitung Österreich vor: Die neue Frau von H.C. Strache nennt ihren Mann H.C. Strache kleines Monster.)

Hydra sagt: Denken Sie nicht, es sei einfach, aber es ist einfacher, wenn Sie denken.

Hydra sagt: Es wird wieder Heimat gesagt. Es wird wieder Identität gesagt. Seit wann sind all die Heimatländer verloren und müssen gerettet werden? Vor wem? Erinnerungen sollten wie Narben sein, dauerhaft. Die Frau in der ersten Reihe links von Hydra schüttelt ihren Kopf, oder ist es mehr ein Drehen als ein Schütteln, ein Jein, ein Vielleicht, während Hydra folgende Zeilen liest: In einem freien Land zu leben, die Wahl zu haben, uns frei zu bewegen, bedeutet auch, dass wir Verantwortung tragen, dass wir unsere Vorstellungskraft und unseren Optimismus nicht verlieren dürfen.

Hydra sagt: Wo i geh und steh, tut mir das Herz so weh. Deine Heimat braucht dich jetzt.

Hydra sagt: Kein Schreiben, kein Schreien ist vollkommen frei von Autobiografie. Jede Geschichte, jedes Wort, jeder Satz ist ein Teil von mir, Spiegel meiner Auseinandersetzung mit der Welt, meines Erfahrungshorizonts, meiner Prägung. Jeder Text ist im Kern eine brennende, sehr persönliche Frage, die ich dieser Welt stelle.

Hydra sagt: Ich bin viele.

Hydra sagt: Ist das jetzt inkludierende Selektion oder selektive Inklusion? Ist Ihnen Ihr Umfeld abhandengekommen? Sind Sie ein Mensch, der in der Welt verloren ging, oder gingen Sie in Ihrer Vorstellung der Welt, wie sie sich gehört, verloren? Gibt es einen singulären Willen eines homogenen Volkes?

Hydra sagt: Will democracy take good care of democracy?

Hydra sagt: Meine Heimat ist das Wort.

Hydra sagt: Ich kann keines Landes Dichter*in sein.

Hydra fragt: Haben Sie noch irgendwelche Fragen?

Hydra sagt: Mit Worten hat alles angefangen, mit der Grenze zwischen Worten und Leben und Worten und Taten, mit Worten wird alles enden.

Hydra sagt: Es war so viel, bevor das Wort war.

Hydra sagt: Es könnte sollte müsste würde alles so einfach sein, wenn es so wäre, dass: Die jeweils bestehende Ordnung ist das Gute und die Veränderung, der Wandel dieser Ordnung, die Zerstörung.

Hydra sagt: Es gilt, das Hinschauen und Wahrnehmen neu zu lernen, nicht blind und taub und stumm zu werden, es gilt, die Augen zu öffnen, die Bilder zu sehen und zu sprechen, auch wir produzieren diese Welt.

Hydra sagt: Bitte sprechen Sie jetzt.

Hydra fragt: Shall we dance? You say Autonomie / I say Autonomia /You say Integrierung / And I say Integrazione / Autonomie Autonomia / Integrierung Integrazione! / Let’s call the whole thing off! / So if you like Einwanderer / And I like Immigrante / I’ll be Pro-Einwanderer / And be Anti-Immigrante / For we know we need each other / So we better call the calling off, off!

Hydra sagt: Der Dialog ist dem Menschen zumutbar.

Hydra sagt: In einer sich ständig neu ordnenden Welt, in der Veränderung eine Konstante der Frage nach dem Wort als Anfang oder dem Anfang als Wort, Ei ei ei, allen war klar, dass es bis zum Ende noch sehr-sehr-sehr weit war und dass das Komplizierteste und Schwierigste eben erst begonnen sollen wollen müsste.

Hydra sagt: Tu das.

Hydra sagt: Sprich ein tägliches Textgebet. So wahr mir das Monster helfe. So wahr dem Monster das Monster helfe. So wahr mir das Wort helfe.

Hydra sagt: Der Hass kommt aus der Tonspur, Schnitt, Sprachgestus. Muss das so sein, hört sonst keiner zu? Es geht um den Auftritt, nicht um die Inhalte, sondern um die Performanz, um den Sprechakt. Das Agenda-Setting der sehr geehrten Monsterifikationsexpertinnen und -experten: im Monsterifikations-PR-Sprech werden monstermäßige To-do-Listen geschrieben, das Rezept ist einfach und geht so: Komplexe Sachverhalte verknappen und vereinfachen, Inhalte passend machen, anschließend alles gut durchrühren, vorsichtig Dramatik unterheben und mit viel Emotion würzen, keinesfalls rasten lassen, kurz vor dem Anrichten liebevoll personalisieren. Für Sie und Sie und ganz besonders für Sie werden all die schönen narrativen Schablonen, Allgemeinplätze und Schubladen gemacht, damit Sie und Sie und ganz besonders auch Sie endlich verstehen, auf wen Sie mit dem Finger zeigen dürfen, für Sie und Sie und ganz besonders für Sie legen wir den Finger in die Wunde, aber nicht nur dort, überall tut es weh, vor lauter Zersetzung im Inneren und Bedrohung von Außen, es ist ganz einfach: Hier wohnt GOTT und dort wohnen die Monster.

Hydra sagt: fiktive Faktizität.

Hydra sagt: Provokation is not a Weltanschauuung

Hydra sagt: György Dragomán sagt, Poesie ist das Gegenteil von Propaganda. Jedes Mal, wenn wir einen Zeitungsartikel lesen, sollten wir auch ein Gedicht lesen.

Hydra sagt: Das Österreichische spricht Tod wie Dood, das Österreichische weicht alles auf, ewige endlose KaffehausKipferltunkerei der Worte.

Hydra sagt: Wollen Sie damit sagen, ich beziehe meine Weltsicht aus zweiter Hand, aus den Monstermedien? Schreien Sie jetzt los, skandieren Sie gar: StaatskunstMonster, LügenMonsterpresse? Was wäre ein Weltsichtmonstrum aus erster Hand? Und aus welcher Hand? Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht!

(Hydra liest aus der Zeitung Österreich vor: Der Hund von H.C. Strache sagt, Mein Herrchen beißt nicht, es will spielen.)

Hydra sagt: (Keine) Angst vor Angst vor Angst vor Angst. Keiner keinem Monster.

Hydra sagt: Focusing aussprechen als Fuck-using, und Focus als Fuck-us. As a writer you have to fuck-us, fuck-us, fuck-us.

Hydra sagt: I can be hated, therefore I am.

Hydra sagt: Wir haben das Wort ANGST in die ganze Welt verkauft, wir haben dieses Wort und noch eins und viel mehr als das: eine ganze Sprache, bis an die Zähne bewaffnet mit Einsprüchen, Wörterbüchern, Kampfvokabeln, schlechten Witzen, Drohbriefen, Wortlauten, Katzen, Bibelsprüchen, Auswürfen, Plagiaten, Autorisationen, Hetzparolen, Notationen, Quotationen, Untergriffen, Fremdwörtern, Übergriffen, Leerstellen, Widersprüchen, wirklichen Wirklichkeiten, Behauptungen, No- und Neologismen, Hierarchien, Baumschatten, Inszenierungen, Schwachstellen, Essiggurkerln, Political Correctness, Sauschädeln, Gekränktheiten, Übertretungen, Selbsthilfegruppen, Hilflosigkeiten, falschen Freunden, Shitstorms, Gleichgültigkeits-Schutzfiltern nach Belieben dunkeldeutsch gefärbt, und im Übrigen sind wir der Meinung: Redundanzen tanzen nicht, Allianzen schon.

Hydra singt unter der Dusche und vermischt mal wieder Rammstein und die Neubauten:
Du / du hast / du hasst mich,
Du / du hast / du hasst mich,
Du / du hast / du hasst mich,
Du / du hast / du hasst mich,
Was ist die Befindlichkeit des Landes?
du hasst mich
Was ist die Befindlichkeit des Landes?
du hast mich gefragt
du hast mich gefragt
du hast mich gefragt
Was ist die Befindlichkeit des Landes?
Was ist die Befindlichkeit des Landes?
und ich hab nichts gesagt

Hydra sagt: I can be heard, therefore I am.

Hydra sagt: Geben Sie eine Identität an, nehmen Sie eine allgemeingültige Präposition ein, umgehen Sie die Zäune, Verben und andere Sprachbarrieren.

Hydra hakt nach: Aus welchem Schreib- Denk- oder Lebensprozess stammen Sie eigentlich?

Hydra sagt: Wie beschützen wir unsere tolerante Gesellschaft gegen die Intoleranz aus den eigenen Reihen?

Hydra sagt, dreihundertdreizehntens: Wo werden wir euren Hass begraben können?

Hydra sagt, dreihundertvierzehntens: Wo?

Hydra sagt, dreihundertfünfzehntens: Echo und Nazis
Ist jemand hier?
Hier, hier!, antwortete Echo zur Verwunderung den Nazis, die niemanden sehen konnten.
Komm!
Komm, komm!
Warum meidest du mich?
Meidest du mich, meidest du mich?
Lass uns hier zusammenkommen!
Hier zusammenkommen!, wiederholte Echo und trat mit ausgestreckten Armen zwischen den Bäumen hervor. (Ein Baseballschläger in ihrer dritten Hand.)

Hydra sagt, dreihundertsechzehntens: Wo ist die Grenze, wo der Moment der Umkehrung aller Gesetze? Wir rüsten wieder auf, in Worten und Taten und Dingen bis, ja, bis an die Grenze, bis zum Moment der Umkehrung aller Gesetze. Und beyond.

Hydra sagt, dreihundertsiebzehntens: Try to be Mensch.

Hydra sagt, dreihundertachtzehntens: Der Autor fuhr am zwanzigsten Theater vor, um auch dort sein Konzept vorzustellen, dar- und vor dem Intendanten niederzulegen, doch es war Montag, das Theater zu, und der Pförtner war ein einsamer Tumbleweed. Oder Tumblr-Feed.

Hydra sagt, dreihundertneunzehntens: Try to be Mensch.

Hydra sagt, dreihundertundzwanzigstens: Lass mich dein Monster sein, in these uncertain times, in diesen Zeiten politischer Verzweiflung, und wo kommt eigentlich dieser ganze WAHNSINN her, der dich und dich und dich auch befallen zu haben scheint, nein, befallen HAT, oh my love, my darling, I’ve hungered for your hate, a long, lonely time, lass mich dein Monster sein, in these uncertain times, oh I need your hate, I need your hate, God speed your hate, in these uncertain times, wir brauchen Monster, ganze Horden von Monstern.

Hydra sagt, dreihundertundeinundzwanzigstens: Angst is not my Weltanschauung.

Hydra sagt, dreihundertundzweiundzwanzigstens: Ich bin eine Wasserglaslesung in Bielefeld und keiner ist gekommen um zu hören aber wer will kann und wird und ich bin das rote Megaphon im Mitmachtheater ich bin ein Hassposting das sich selbst zerstört ich bin das Mikrofon auf das der Spuckeregen eines offensichtlich erschöpften Politikers rieselt und seine Augen so blau blau blau ich bin Hydra sagt tu das und über mir der Himmel so blau blau blau Hydra sagt tu das und ich bin Hydra bin ich bin ich bin ich

Hydra sagt, dreihundertunddreiundzwanzigstens: Ich bin viele. Und wir werden täglich, stündlich, minütlich mehr.

Hydra sagt, dreihundertundvierundzwanzigstens: Ich beginne am Anfang, also mittendrin, wo sich die Wörter verkehren und kippen, ich befinde mich hier und ich bin viele. Alles, was ich sagen werde, hat jemand anderer schon gesagt, alles wurde schon erzählt, aber nicht von jedem. Es ist wahr, wir haben keine Chance. Weiter!

(Hydra hat sich verzählt, oder?)

Hydra sagt, dreihundertfünfundzwanzigstens: Alles schon gezählt.

Hydra sagt: Neulich im eigenen nicht ganz so klaren Grenzbereich darüber nachgedacht, was es mit dieser Forderung nach einer Trennung von Thema und ich (zu persönlich, zu privat, mach doch mal was Politisches) auf sich hat, wenn doch gleichzeitig die Repräsentation des Themas durch die Person Autor (wahlweise auch Autorin oder in Ausnahmefällen auch Autor*in) gefordert wird, als alles plättend-glättende Lesehilfe gewissermaßen. – Ist das eine Geschichte? Ja, das ist eine Geschichte. Ist das ein Denkverbot? Ja, das ist ein Denkverbot. Ist das politisch? Und ohne zu zögern, nein, ohne zu denken, würde ich doch sagen: ja.

Hydra sagt: verdrehen, verschieben, vertragen, forttragen, fortschreiben, Faden verlieren.

Hydra sagt: Sometimes human places create inhuman monsters.

Hydra sagt: all words and all play, bitte.

Hydra sagt: Warum muss ich eigentlich immer Ich sagen wenn ich WIRR meine, nur damit mir JEMANDD zuhört?

Hydra sagt: von dem Vorhandensein gewisser unsichtbarer Grenzen.

Hydra sagt: Neulich in der Verfüg-Bar – Martin Sellner mit dem Cocktailgläschen, auf die Wahrheit ohne Kontext, Prost!

Hydra sagt: Ich bin viel zu viele. Und stolz drauf.

Hydra sagt: Ich möchte seicht sein.

(Hydra schweigt und träumt von Martin Sellners likegeilem Lächeln.)

Hydra sagt: of monsters and monsters.

Hydra sagt: Neulich im Feierabendfernseher meinte er, mit dem schönen Cocktailgläschen und dem umso schöneren Undercut, dass die Kategorien links und rechts, die wären, also, überbewertet und er würde sie ablehnen, wie er unwerte Vorurteile ablehnen würde, dann schon lieber vorverurteilte Werte: Heimat, Freiheit, Tradition und so weiter.

Hydra sagt: zur Benutzung freigegeben.

Hydra sagt: Und dann wieder an die Freunde gedacht, die in der Grundschule den Nationalfeiertag als Tag des Abzugs der Alliierten aus Österreich zu feiern hatten. Freiheit! Heimat! UND SO WEITER!

Hydra sagt: zur Besetzung freigegeben.

Hydra sagt: Warum wird die immerwährende Neutralität eigentlich mit Panzerparaden begangen?

Hydra sagt: Neulich im Feierabendfernseher meinte er, mit dem schönen Undercut, dass, also, naja, würde er, wenn er, also, äh, naja, äh.

Hydra sagt: Justice rides a tank and wears lip gloss.

Hydra sagt: Dieses Video ist in Ihrem Land nicht verfügbar.

Hydra sagt: If you want to torture me, spank me, lick me, do it. But if this poetry shit continues, shoot me now, please.

Hydra sagt: Wie wärs mal mit Gemeinschaft, die sich nicht von den Körpern ablöst?

Hydra sagt: zur Vernetzung freigegeben.

Hydra sagt: Neulich beim akademischen Kneipengespräch – dass das Problem die Kategorien seien, behauptet er, rechts und links, dass diese Grenze aufzuheben wäre, also sprachlich, die doch schon real längst nicht mehr, also, äh, naja, äh, zustimmendes Nicken und Prost auf die richtige Lebenseinstellung, die immer noch mit der richtigen Seite einher geht, denn die, also die richtig absolut Richtige, die, äh, aufzulösen, soweit wollen wir nicht gehn, soweit können wir nicht gehn, soweit können höchstens WIRR gehn, aber wir nicht, zumindest nicht ohne Recherche, der wir uns gezielt verweigern. Wer nachliest, der hat etwas zu verbergen. Also: auf die Sprache, auf die unsichtbare sogenannte nichtvorhandene Grenze, auf das sogenannte Echt – Prost!

Hydra sagt: Wann wird die Bruchlinie, die durch mich durchgeht, endlich sichtbar?

Hydra sagt: Die schönste Lebensrettungsphantasie: Wenn man eine Geschichte hat, das ist schon was Schönes.

Hydra sagt: stottern, suchen, abbrechen, suchen, abbrechen, stottern, hochfahren, überhitzen, abbrechen, hochfahren, suchen UND SO WEITER.

Hydra sagt: Und jetzt einmal die Heimat abschneiden entlang der gepunkteten Linie, bitte.

Hydra sagt: Heimat ist auch so ein Wort.

Hydra sagt: zur Verhetzung freigegeben.

Hydra sagt: It is me you’re looking for.

Hydra sagt: Es heißt, man wünsche politische Texte und es sei dies ein dezidierter Wunsch, aber bittebitte kein Formexperiment, denn die Form müsse, zur allgemeinen Bekömmlichkeit, die müsse schon weiterhin unpolitisch, bitte, damit das Abopublikum (Apolitikum) auch weiterhin kommt.

(Hydra sieht im Vorbeigehen eine Dramaturgin, die Hände im Schoß gefaltet! Ich glaube an das Abopolitikum.)

Hydra sagt: Wenn der Sprechanlass nicht dem Thema inhärent ist, was soll dann das Schreiben.

Hydra sagt: Wenn der Sprachhass nicht dem Thema inhärent ist, was soll dann das Schreien.

Hydra sagt: Wenn der Sprechanlass hier nicht Thema ist, was soll dann das Scheitern.

Hydra sagt: Scheitern als Chance.

Hydra sagt: Dieses Scheitern ist in Ihrem Land nicht verfügbar.

(PS: copypaste für später, sagt Walter, sagt Benjamin, sagt Hydra: Die große Masse der Geistigen ist in trostloser Lage. Schuld ist an dieser Lage aber nicht Charakter, Stolz und Unzugänglichkeit. Die Journalisten, Romanciers und Literaten sind meistens zu jedem Kompromiß bereit. Nur wissen sie das nicht, und eben dies ist der Grund ihrer Mißerfolge. Denn weil sie es nicht wissen oder nicht wissen wollen, daß sie käuflich sind, darum verstehen sie nicht, von ihren Meinungen, Erfahrungen, Verhaltungsweisen die Teile, die für den Markt Interesse haben, abzulösen. Sie suchen vielmehr ihre Ehre darin, in jeder Sache ganz sie selbst zu sein. Weil sie sich nur 'im Stück' verkaufen wollen, werden sie ganz genau so unverwertbar wie ein Kalb, welches der Schlächter seiner Kundin nur im ganzen würde überlassen wollen.)

Hydra sagt: Let’s start again.

Hydra sagt, erstens: Ihre Rundfunkbeiträge sind am 1.1.2017 fällig.

Hydra sagt, zweitens: Es ist eine schlechte Zeit für Gefühle, glaube ich. Aber mir ist das lieber so.

Hydra sagt, drittens, Kwame Anthony Appiah sagt: [T]here is nothing in the world that can do all we ask race to do for us.

Hydra sagt, viertens: Ich freu mich so auf Weihnachten, da fahr ich zu meinen Eltern und schau die ganze Zeit Edgar Wallace auf Kabel 1, vor allem diesen einen Film, das war der erste damals, glaube ich, von 1959 oder 1939 oder 2019, du weißt schon, oder: DAS VOLK MIT DER MASKE!?

Hydra sagt, fünftens: Hallo, hier spricht Queerschläger. Wir sind eine terroristische Vereinigung aus Lesben, Schwulen, Transfrauen, Transmännern, Inter- und Asexuellen, und wir wollen mit Gewalt erreichen, was die Medien als vierte Gewalt nie erreichen werden. Weg mit der Scheiß-Political Correctness der Neuen Rechten! Weg mit den Tabus, die in den Rassisten keine Rassisten sehen, in den Faschisten keine Faschisten, weg mit der Sprache, die alle einheitlich zum Volk erheben oder als Volksverräter brandmarken oder verbrennen, weg mit den Einschränkungen, die unsere Leistungen und unsere Gemeinschaften begrenzen, weg mit den Kornblumen, dieser feigen Gemütlichkeit. Ja, es geht uns um euch! Hallo Thilo Sarracenos, hallo Heinz Bush Cow Ski, hallo Henryk M. Brodel, hallo Matze Matt-oh-Schreck, hallo Norbert Hofier, hallo H.C. Stachel, hallo Martin [Mega-]Seller, hallo Patrick Lenor, hallo Andreas Gabberherje, hallo Frau Kepetry, hallo Beatrix vom Storch, hallo André Poggenburger, hallo Mikro Welsh Terrier, hallo Bernd Höcker, hallo Jörg Meute, hallo Birgit Keller, hallo Xaver Neider, hallo Ken Yep!sen, hallo ihr lieben Langweiler mit eurer ersichtlichen APO-Abklatsch-Klatsche. Eure politische Korrektheit kotzt uns an. Ihr zensiert alle. Ihr wollt, dass wir von Bürgern sprechen, nicht von Menschen. Ihr wollt, dass wir über die Nation reden, über das Volk, über Patriotismus, nicht über den Staat, die Gesellschaft, über Diversität. Ihr wollt nicht, daß ich das N-Wort sage, wenn ich euch die Fresse eintrete, aber ihr werdet mich immer wieder schreien hören: Nazi, Nazi, Nazi. Spürt ihr diese Faust? Sie riecht nach Zwiebeln.

Hydra sagt, sechstens: Mein Plan war die Weltherrschaft. Aber der Plan, muss ich zugeben, verfolgte eher mich, als ich ihn.

Hydra sagt, siebtens, Ulf Poschardt schreibt: Versteht man die Popkultur als ein Reservoir heimlicher Sehnsüchte und inspirierender Parallelwelten, ist der Erfolg von Fernseh-Helden wie Dr. House, Barney Stinson oder Mr. Big aus Sex and the City, eine Art Doppelgänger von Donald Trump, gerade in Deutschland ein Hinweis darauf, dass die klinische Sprache auch der deutschen Fernsehunterhaltungsbanalität längst verschmäht wird – während ein Exzess zynischer, auch aggressiv politisch unkorrekter Sprache als befreiend und amüsant wahrgenommen wird. Hydra fragt: Wenn das stimmte, was POP-Ideologe Poschardt da faselt, würde ich ihn dafür bewundern, und die Motivation seines Gefasels – andere zu seiner Bewunderung und Anbetung zu bringen – wäre im Nachhinein mehr als berechtigt, doch für mich stimmt es überhaupt nicht. Ich habe Dr. House, also den Charakter, nicht die Serie, nur ertragen, weil es Dr. Remy Beauregard Hadley alias Dreizehn gab. Ich kann How I Met Your Mother nur sehen, weil es Lily Aldrin gibt, ich habe die Serie überhaupt nur angefangen, weil Alyson Hannigan Lily Aldrin spielt, und wenn ich eine Figur rausschneiden oder rausschreiben könnte, wäre es die voraussehbarste und langweiligste von allen, nämlich Barney Stinson, dessen Hyperheterosexualität nicht mal dadurch interessant wird, dass er durch einen schwulen Schauspieler gegeben wird. Aber gut, dann sind sie eben beide da, und vielleicht ist das eben das beste. Aber Mr. Big? Ich habe Sex and the City bis heute nicht verstanden, weil ich nicht eine Mikrosekunde nachvollziehen konnte, was die Hauptfigur von diesem dämlichen, unattraktiven Typen eigentlich will. So, wäre das genug zur Ökonomie des Begehrens politischer Unkorrektheit? Nein, sagt Ulf Poschardt, ich hab so Lust aufs Zündeln.

Hydra sagt, achtens: Ich glaub, ich hab nen Burn-Out.

Hydra sagt, neuntens: Das hier ist übrigens ein Theaterstück. In der Pause gibt es dann ein geselliges Mahl mit dem Publikum. Natürlich wird vor allem Schweinefleisch angeboten. Schon die abgehackten Sauköpfe vor den Türen des Theaters sollten ja alle abwehren, die nichts im Nationaltheater zu suchen haben. Es wird also geprasst. Dazu Musik, ganz ungefährlich im Hintergrund, plus Tanz. Begrüßen Sie mit mir das AfD-Fernsehballett.

Hydra sagt: Moment kurz stopp jetzt bitte, ich glaub, ich hab nen Buy-Out.

Hydra sagt, zehntens: Das ist keine Esoterik! Das ist Soziologie! Soziologie von rechts.

(Hydra hat genug von der Soziologie, sie hat genug von der Gesellschaft, sie hat genug von Erklärungsmodellen, Expertenrunden, Analysen und einer apokalyptischen Rhetorik und sagt: Habermas sagte mal, als er noch Student war, am Ende ist es doch so, es gibt riesige Arschlöcher da draußen und weniger riesige, und dazwischen wird gestorben.)

Hydra sagt, elftens, Lacan sagt: Die Angst vor dem Anderen sitzt an derselben Stelle wie die Kastrationsangst. Die Angst vor der Sättigung des Mangels, vor dem Nicht-Fehlen, das ist das Unheimliche, die Panik, dass alles da draußen genau so ist, dass es ganz genau so ist, wie man sich das wünscht, wie man das begehrt, der Abgrund, der sich auftut, wenn man feststellt, dass man alles hat, aber nicht glücklich davon ist, wenn Sie das spüren, dann spüren Sie den Anderen, der nicht ruhen wird, solange wir begehren.

Hydra sagt, zwölftens: Bevor wir hören, was Lacan uns zu sagen hat, sollten wir uns klarmachen, dass jedes werdende Subjekt die Wirkungen der Sprache erfährt, in deren Netzwerk es sich situiert. Dadurch entsteht Kultur und Teilhabe, dadurch erfährt sich dieses Scheißsubjekt, das nicht ich bin, auch als Verlorenes und Entzogenes.

(Hydra flüstert: Jetzt schon wieder Netzwerke, können wir nicht einmal eine Sprache finden, die nicht klingt, als hätte sie sich ein Philosophiestudent auf Koks gebastelt?)

Hydra schüttelt den Kopf und fährt fort: Dadurch entsteht auch dieser beschissene Anspruch des Anderen, der uns jetzt schon wieder heimsucht, und wir wollen diesen Anderen, diesen ganz Anderen berühren, wir haben Angst davor, ihn zu berühren, der ganz Andere ist die Panik vor uns selbst, die Panik vor dem Nichts, das wir sind, DIESES FUCKIN’ NICHTS, DAS ICH BIN.

(Hydra denkt sich: Bei der Vorstellung Zärtlichkeiten mit Strache auszutauschen fahren mir die Schuppen senkrecht nach oben. Aber ein wahrer Revolutionär muss zu allem bereit sein, sagt sie sich sogleich und frisiert sich die Schuppen zurück in den Schafspelz.)

Hydra sagt, dreizehntens: Wir sind alle traumatisiert.

Hydra sagt, vierzehntens: Das ist eine Vereinfachung.

Hydra sagt, fünfzehntens: Wenn alle Probleme Sprachprobleme sind, dann sollte man nur noch einfache Sätze formulieren.

Hydra flüstert: Wir sind alle dramatisiert.

Hydra sagt, sechzehntens: Worüber man nicht sprechen kann, das frisst die AfD.

Hydra sagt, siebzehntens: Wenn alle Probleme Sprachprobleme sind, sollte man Frauke Strache Petry Trump den Mund zunähen.

Hydra sagt, achtzehntens: Das hat jetzt nur indirekt mit Pop zu tun, aber Pop gefällt sich ja vor allen Dingen in seiner indirekten, ironisch-gebrochenen Haltung, mit der er alles kann, vor allem Mehrwert und Selbstmitleid.

Hydra singt: For the times / they are a-changin’.

(Hydra hält kurz inne, sie sieht Wittgenstein in einem Zimmer sitzen, manisch Sätze niederschreiben, für wen, wer wird ihn lesen, zu welchem Zweck, seine Haare aschfahl, hat er Angst?)

Hydra zählt und zählt und hält inne und denkt sich: Was dem einen sein Burn-Out, ist dem andern seine Manie, was dem einen seine Krise, ist dem nächsten seine Chance, was dem einen seine Arbeit, ist dem nächsten sein Kapital, was dem einen seine Träume, ist dem nächsten sein Marketing, was dem einen seine Wünsche, ist dem nächsten sein Slogan, was dem einen sein Platz, ist dem anderen sein Ziel, was dem einen seine Flucht, ist dem nächsten sein Terror, immer vertauschen sich hier andauernd die Plätze und immer besetzt ein anderer den Ort des Begehrens eines anderen, der sich wie neurotisch auf diesen anderen fixiert, der ja eigentlich sein Begehren ist, ein unerfüllbares, ewig gebrochenes.

Hydra sieht, wie Strache mit einem jungen Flüchtling knutscht. Sie küssen sich lange, flüstern sich dazwischen in die Ohren, liebkosen sich, streicheln sich ihre Haare, lächeln sich zu, „lassen ihre Zungen tanzen“, berühren ihre Fingerspitzen, „jede Pore schreit” nach dem Körper des Anderen und Strache schiebt Panik, weil er diesem Begehren des Anderen nicht nachkommen will und seine Küsse werden unruhig, zornig, wild.

Hydra schnauft aus hunderttausend Köpfen.

Hydra klingt dabei wie ein Orgelkonzert von Johannes Sebastian Jacques Zizek Poschardt Butler Lacan Bach.

(Hydra fragt sich beim Zuhören, ob eigentlich Bach schon Rassenhass kannte, ob der für den ein Begriff war. Hat Bach beim Komponieren irgendwann gedacht: Ich möchte, dass diese Sentenz hier meine Verachtung gegenüber dem Rassismus offenbart, diese Triole ist meine antirassistische Triole?, die Bach bei jedem Konzert mit besonderer Wut und Verachtung in die Orgelpfeifen quasi hineinprügelte, woraufhin ihm immer das Toupet vom Kopf fiel.)

Hydra sagt: Erschöpft von all dem Begehren, von all den Anderen in uns selbst drin, ist der weltweite Hass ein Symptom eines gesellschaftlichen Burn-Outs.

Hydra rebootet: Was dem einen sein Burnout, ist dem anderen sein Toupet.

Hydra liest Armin Nassehi: Burn-out tritt auf, wenn Dinge zusammengebracht werden, die nicht zusammengehören.

Hydra marked herself safe during The Attack in Berlin, Germany. Wobei. Hydra geht ja nicht auf Weihnachtsmärkte. Grundsätzlich. Hydra was not present, also ist ihr nichts passiert und ihrem direkten Umfeld ist auch nichts passiert, also alles ausschalten, Hydra has left the building, erstmal zum Yoga und Yoga bedeutet Einheit, hier sind alle eins und eins wie das andere, und alle sind gleich weiß und gleich schön und gleich schlank und keiner ist keinem, jetzt einatmen, ausatmen Atemanhalten und 3 2 1 ein und 3 2 1 aus, und jetzt Angst, 3 2 1 ein, jetzt Taubheit, 3 2 1 aus, jetzt Gleichgültigkeit, 3 2 1 ein, Hydra hat shortly after The Attack in Berlin, Germany 48 Stunden lang Friends geguckt, der 1990er gedacht, dem sanften Anfang der Nuller-Jahre, und alle sind gleich weiß und gleich schön und gleich schlank und alles beginnt mit dem Theme-Song, oh yeah, I´ll be there for you, und Rachel sagt Chandler sagt einatmen, ausatmen, Monica sagt Joey sagt: Ist das jetzt der Untergang der westlichen Zivilisation?, einatmen, ausatmen, Oh yeah, your love life’s D.O.A., und Phoebe sagt einatmen, ausatmen, 3 2 1, I´ll be there for you, I´ll be there for you, cause you’re there for me too und Ross sagt: Oh, am I? Am I? Am I out of my mind? Am I losing my senses? Hydra sagt: antworten, jemand möge einfach antworten.

Hydra sagt: Warum werd’ ich beim Yoga neuerdings immer so wütend? Warum sammelt sich neuerdings beim Meditieren so viel Spucke in meinem Mund? Oder. Ist das Schaum?

Hydra sagt: Ich will, dass meine Vagina die Welt regiert, ich will Nadja Tolokonnikowa sein und sagen: Penisneid offenbart sich immer im für Reflexionen unpassendsten Moment. Hydra sagt: Ich will mit Nadja Tolokonnikowa lesbische Hochzeitslieder zitieren und tanzen und dabei den Phallozentrismus aus den Poren des Universums herausschwitzen.

Hydra sagt: Willkommen Frau Käsehage, Religionswissenschaftlerin und Historikerin, Sie haben mit über 150 Salafisten gesprochen, mit Jihadisten, Sie sind Wissenschaftlerin, wie haben Sie es geschafft, dass diese Frauen und Männer mit Ihnen sprechen? Wir wollen verstehen: Wann wird aus einem Islamisten oder einer Islamistin ein/e Täter/in, also jemand, der in den Heiligen Krieg zieht? Helfen Sie uns, zu verstehen? Warum reden die mit Ihnen und worüber?

Hydra sagt: Unwissenheit schützt nicht vor Angst.

Hydra fasst auf, Hydra fasst zusammen, Hydra fasst sich, Hydra fasst sich ein Herz und ruft endlich bei der Sozialversicherung an, und ihr Herz hört sie schlagen.

Hydra sagt: Unwissenheit schützt auch nicht vor Terror.

Hydra sagt: Fasst nicht zusammen, was sich nicht zusammenfassen lässt.

Hydra zählt mit Leonard Cohen Todesarten auf: And who by fire? Who by water? Who in the sunshine? Who by high ordeal? Who by common trial? Who in your merry merry month of May? Who by very slow decay? And who shall I say is calling?

Hydra sagt: Wer sich in Unwissenheit flüchtet und andere für sich denken lässt, wird niemals in Sicherheit leben.

Hydra sagt: Oder so. Unwissenheit war immer schon der schöne Standplatz einer Sicherheit, die sicherlich erst ihresgleichen suchen muss.

Hydra sagt: Oder so. Oder so. Oder so.

Hydra sagt: Unwissenheit schützt aber leider auch vorm Sprechen nicht.

Hydra sagt: Buchstabiere FRIENDLY WORDFIRE.

Hydra sagt: Reißt sie ein, die Asyle der Unwissenheit. Öffnet sie, die Massenquartiere der Kurzsichtigkeit. Nennt sie beim Namen, die Auffanglager der Verdummung.

Hydra sagt: Wo zunehmend vergessen wird, Tatsächlichkeiten zu beschreiben, Zusammenhänge zu erklären, Komplexität sichtbar zu machen und auch die Möglichkeit zu handeln, dort wächst die Sehnsucht nach Vereinfachung, wachsen Ohren, Augen auch und ganze Körper einer Resonanz für halbe Wahrheit, volle Lüge; dort wächst Gras über den Boden, breitgetreten wieder von Erzählern großer Narration; am lautesten, wir kennen sie schon, schreit jene der Nation.

Hydra sagt: Gründet antinarrationalistische Initiativen!

Hydra sagt: Erzählt die Geschichten der Tatsächlichkeit, in ihren verworrenen Verläufen, in ihrer Vielgesichtigkeit, mit all den kleinen Blicken aufs vermeintlich Nebensächliche (denn Wirklichkeit hält sich selten an gewohnte Dramaturgie) und setzt sie ihr entgegen, unentwegt und hartnäckig, dieser aufgewachten, wachgehaltenen, nie womöglich eingeschlafenen, größensüchtigen Erzählungspolitik.

Hydra sagt: Wenn man einmal keine Geschichte hätte, unter der die Welt verschütt geht, ja, das wäre schon was Schönes.

Hydra sagt: Wenn es nicht so viele schwule Figuren in den Soap Operas gegeben hätte seit den 90ern, würden heute nicht so viele Flüchtlingsunterkünfte brennen.

Re-Enter Hydra.

Hydra sagt, we’re all doin’ it for the clicks.

Hydra sagt, andauernd der eigene Marktwert hier, der fliegt einem andauernd um den Kopf, da kann man sprechen wie man möchte, kann man sprechen, wie einem die Köpfe gewachsen, andauernd sucht einen der eigene Marktwert auf, andauernd springt der einen an, wenn man endlich das Gefühl hat, jetzt ist es aber genug, jetzt einfach nur einen Kaffee mit Kardamom mit der und der und ein Wein mit dem und dem und schon geht das wieder los, das Abwägen, das Investieren, das Symbolische, die Haltung, die richtige, die nicht mehr überprüfbare, die absolut festgesetzte, die hysterische, die auf jeden Fall bitte jetzt hier bei mir platzierte, um sich abzusichern, die mir mehrfach ins Gesicht hineinposaunte, um sich abzusichern, wie wir hier sitzen und einfach nur einen Kaffee mit Kardamom trinken wollen aber andauernd den Marktwert neben uns sitzen haben.

Hydra sagt Entschuldigung, aber so bin ich, postfaktisch from the bottom of my heart, Marktwert hin oder her, da braucht es schon eine Asyl-Sonderverordnung um mich draußen zu halten, aber draußen stimmt ja auch nicht mehr, und Rand stimmt auch nicht mehr, ist ja längst Zentrum hier geworden, also ich muss mich nicht bewegen, mir ziehts den Boden unter den Füßen weg.

Hydra sagt: Entschuldigung, aber weil wir hier immer schon Zentrum gewesen sind, muss ich mich auch immer bewegen, damit kein anderes Leben durchkommt, damit das nicht aus dem Boden schießt, auf dem ich stehe, das leuchtet dir doch ein.

Hydra sagt: Das ist nicht meine Stimme.

Hydra sagt, rechte Tendenzen fallen nicht vom Himmel, rechte Tendenzen wachsen aus guter alter, kapitalarmer Erde zuerst unbemerkt in den Randgebieten, dann langsam in den Außenvierteln und schließlich, nur dann ist es längst zu spät, auch in den Innenstädten. wenn die Innenstädte endlich etwas mitbekommen, brennt längst alles rundherum.

Hydra fragt, ob es tatsächlich immer an den Rändern beginnt, mit den Rechten. Die Idee, dass etwas verloren geht, wie Arbeit, Werte, Sicherheit, Kultur, Nation, etc. entsteht doch oft gerade dort, wo bereits etwas vorhanden ist. Etwas mehr, als dass man sich randständig fühlen müsste. Aber zu wenig, um im Zentrum angekommen zu sein.

Hydra muckt auf: Aber war die Rechte doch nicht immer schon im Zentrum, hier bei uns?

Hydra überlegt: Oder das Rechte? Egal.

Hydra sagt, rechtes Gedankengut wächst darum gern auf anständigen Rasenflächen von Menschen mit mittelständischem Besitz. Wo die Erde herstammt, für solchen Rasen, ist recht unterschiedlich. Manchmal kommt sie vom Baumarkt der Vorstadt. Manchmal von der Bio-Gärtnerei ums Eck. Manchmal vom Land, wo das Elternhaus steht. Aber dort ist auch nicht unbedingt Kapital-Armut daheim. Da ist ein Swimming-Pool im Garten. Kleinbürgerliche Nationalismen also, von den Wurzeln her betrachtet.

Hydra fragt wieder, aber was hat der Buchmarkt, was hat die Kunst, was haben die Theater, was die Verlage, was die Massenmedien, was die Filmindustrie, was die Kunst- und Kulturschaffenden, die eh immer an allem, also bitte jetzt mal eine einfache Antwort: was hat denn bitte Jeff Koons mit all dem, was heute passiert, zu tun?

Hydra insistiert: Was hat denn überhaupt irgendwer mit irgendwem zu tun? Keiner hat doch mit irgendwem was zu tun, niemand hat mit irgendjemandem hier irgendwas zu tun, sind doch alle mit sich selbst am tun andauernd, da hat doch keiner Zeit um mit was anderem noch zu tun zu haben, was also habe ich mit all dem zu tun?

Hydra sagt: Zurück zum, nein, ins Zentrum, wo ich mir die Miete nicht mehr leisten kann.

Hydra sagt: Bitte nicht zurück ins Zentrum, denn diese Mitte will ich mir nicht leisten.

Hydra insistiert: Aber was, was bitte habe ich mit dir zu tun?

Hydra sagt, an manchen Tagen stehen sich meine vielen Köpfe im Weg. Dann verdecken sie die Sicht darauf, dass es nicht wenige sind, die gegenwärtig etwas miteinander zu tun haben wollen und auch tatsächlich haben. Dass soziales und politisches Engagement nicht verschwindet, sondern vielleicht sogar gewachsen ist, viel zu selten jedenfalls erkannt wird, wo es vorhanden ist. Dass die Komplexität der Welt mit einer wachsenden Fähigkeit von Einzelpersonen einhergeht, Wissen zu vernetzen und Handeln auf globale Bedingungen hin zu überprüfen. Dass auch institutionell, wenn sicher oft zu langsam und zu wenig sichtbar, politisch Verantwortliche nicht immer den Marktwert im Blick haben, sondern manchmal, in den besten Stunden, Solidarität und Humanität.

Hydra gibt also zu, oft (viel zu oft) sich um den eigenen Hals zu schlängeln und dabei zu vergessen, dass selbstreferenzielles Gejammer zur konkreten Verbesserung der Umstände nichts beiträgt.

Hydra sagt also, selbstreferenziell zu werden, sollte nicht damit verwechselt werden, selbstreflexiv zu bleiben.

Hydra schreit, jetzt aber alle mal Ruhe hier und Marktwert!

Hydra sagt, ich habe damit überhaupt nichts zu tun.

Und Hydra zischt zurück: Ruhe.

Hydra sagt, it’s true, we’re all doin’ it for the clicks.

Hydra sagt, no, i’m not, i’m doin’ it for the chicks.

Hydra sagt, eines Abends in der Kneipe, beim Umarmen eines mir unbekannten Menschen mit guten Kontakten in die Kunstszene denke ich mir, ich kenne den nicht, ich finde den nicht sympathisch, aber ich bemühe mich um ein wirklich betont freundschaftliches Grinsen, denn er könnte mir einmal nützen, dieser mir unsympathische Mensch mit guten Kontakten in die Kunstszene.

(Hydra möchte umarmt werden, aber alle schütteln den Kopf.)

Hydra beschließt, first world problems, so viele von denen, es braucht eine first world problems Sonderverordnung, die ab sofort in Kraft tritt. Alle first world problems bleiben von nun an draußen.

Hydra hält also fest: Outsourcing aller first world problems, die gehen uns gar nichts an, hier geht ja niemanden mehr irgendetwas, von daher sollen sich doch jetzt mal die anderen, ab jetzt also sind alle first world problems third world problems.

Hydra sagt, i’m pro choice, pro lgbt, pro refugees and pro capital.

Hydra sagt das, aber im Spiegel sagt sie schon wieder was anderes, sie sagt, i’m pro constitution, sure.

Hydra liest einen Artikel in der Onlinewelt, Stand: 1. Februar 2017, Lesedauer: 8 Minuten, da steht: Gorsuch [also der Gorsuch-Neil] steht für die von Scalia geprägte Rückkehr zu einer Verfassungsauslegung, die sehr nah am ursprünglichen Text der damaligen Autoren bleibt. Er hält nichts von der Idee, dass die Verfassungsauslegung der modernen Zeit angepasst werden muss, etceterapeepee. Hydra denkt darüber nach, was die Rückkehr zu einer Auslegung, die sehr nah am ursprünglichen Text der damaligen Autoren bleibt, bedeutet. Siehe: Die Verfassung der founding fathers [nie: founding mothers]. Siehe: Die Bibel. Siehe: Die Dramen der deutschen Klassik. Hydra macht einen Haken und denkt sich: Recht hat er, der Gorsuch-Neil.

Hydra setzt sich die T.S. Eliot Maske auf und rezitiert in die Runde, what shall I do now? what shall I do? I shall rush out as I am, and walk the street, with my hair down, so. what shall we do tomorrow? what shall we ever do? the hot water at ten, and if it rains, a closed car at four, and we shall play a game of chess, pressing lidless eyes and waiting for a knock upon the door.

Hydra schaut zu, wie die Abwässer vorüberrauschen, wie die Kapitalströme vorüberziehen, wie der internationale Waren- und Menschenverkehr vorüberzieht, lange. Lange.

Hydra sagt, no, it’s true, i’m just doin’ it for the dicks.

(Hydra eher a-part, zu sich, oder zu einem anderen ich hin: und wenn es keine Clicks wären, wäre es ein alternativer Status, den wir präsentieren wollen, we’re quite helpless, are we, we just want to be loved, nur ein Click ist keine Liebe, it’s the symbolic Economy, stupid)

Hydra sagt, ich habe damit zu tun.

Hydra fragt, wer hat das jetzt gesagt, aber alle schütteln den Kopf.

Exit Hydra.
(vorerst)